Moed Katan 33

Kapitel 33

א תלמיד שנידה לכבודו נדויו נידוי דתניא מנודה לרב מנודה לתלמיד מנודה לתלמיד אינו מנודה לרב לרב הוא דאינו מנודה הא לכולי עלמא מנודה
1 Wenn ein Jünger wegen seiner persönlichen Ehre jemand mit dem Banne belegt, so ist der Bann giltig. Es wird nämlich gelehrt: Wer vom Lehrer mit dem Banne belegt wird, ist auch für den Schüler mit dem Banne belegt, und wer vom Schüler mit dem Banne belegt wird, ist nicht für den Lehrer mit dem Banne belegt. Für den Lehrer nicht, wohl aber für jeden anderen.
ב למאי אי במילי דשמיא (משלי כא, ל) אין חכמה ואין תבונה ואין עצה לנגד ה' אלא לאו לכבוד עצמו
2 Weswegen nun: wenn wegen einer göttlichen Angelegenheit, [so heißt es ja]: <i>keine Weisheit, keine Einsicht und keinen Ausweg wider den Herrn</i>; doch wohl wegen seiner persönlichen Ehre.
ג אמר רב יוסף צורבא מרבנן עביד דינא לנפשיה במילתא דפסיקא ליה
3 R. Joseph sagte: Ein Gelehrtenjünger darf bei einer Sache, von der er überzeugt ist, sich selbst Recht verschaffen.
ד ההוא צורבא מרבנן דהוו סנו שומעניה א"ר יהודה היכי ליעביד לשמתיה צריכי ליה רבנן לא לשמתיה קא מיתחיל שמא דשמיא
4 Einst war ein Gelehrtenjünger, der einen schlechten Ruf hatte. Da sprach R. Jehuda: Was ist nun mit ihm zu machen: mit dem Banne belegen [geht nicht], denn die Jünger brauchen ihn, und ihn nicht mit dem Banne belegen [geht ebenfalls nicht], denn der göttliche Name wird entweiht?
ה א"ל לרבב"ח מידי שמיע לך בהא א"ל הכי א"ר יוחנן מאי דכתיב (מלאכי ב, ז) כי שפתי כהן ישמרו דעת ותורה יבקשו מפיהו כי מלאך ה' צבאות הוא אם דומה הרב למלאך ה' יבקשו תורה מפיו ואם לאו אל יבקשו תורה מפיו
5 Hierauf sprach er zu Rabba b. Bar Ḥana: Hast du etwas darüber gehört? Dieser erwiderte: Folgendes sagte R. Joḥanan: es heißt: <i>denn eines Priesters Lippen sollen sich an die rechte Lehre halten, und Unterweisung erwartet man aus seinem Munde; denn er ist der Gesandte des Herrn der Heerscharen</i>. Wenn der Lehrer einem Gesandten des Herrn gleicht, so erwarte man Unterweisung aus seinem Munde, wenn aber nicht, so erwarte man keine Unterweisung aus seinem Munde.
ו שמתיה רב יהודה לסוף איחלש רב יהודה אתו רבנן לשיולי ביה ואתא איהו נמי בהדייהו כד חזייה רב יהודה חייך
6 Da belegte ihn R. Jehuda mit dem Banne. Darauf erkrankte R. Jehuda und die Jünger besuchten ihn, und auch jener kam mit ihnen. Als ihn R. Jehuda bemerkte, lächelte er.
ז אמר ליה לא מסתייך דשמתיה לההוא גברא אלא אחוכי נמי חייך בי א"ל לאו בדידך מחייכנא אלא דכי אזלינא לההוא עלמא בדיחא דעתאי דאפילו לגברא כוותך לא חניפי ליה
7 Jener sprach: Nicht genug, daß du mich mit dem Banne belegt hast, du lachst auch über mich! Dieser erwiderte: Ich lache nicht über dich; ich freue mich vielmehr bei meinem Übergange in jene Welt, daß ich nicht einmal einem Manne, wie du einer bist, geschmeichelt habe.
ח נח נפשיה דרב יהודה אתא לבי מדרשא אמר להו שרו לי אמרו ליה רבנן גברא דחשיב כרב יהודה ליכא הכא דלישרי לך אלא זיל לגביה דר' יהודה נשיאה דלישרי לך אזל לקמיה א"ל לר' אמי פוק עיין בדיניה אי מיבעי למישרא ליה שרי ליה
8 Als daraufhin die Seele R. Jehudas zur Ruhe eingekehrt war, [kam er ins Lehrhaus und bat, ihn freizusprechen]; da sprachen die Jünger zu ihm: Es gibt hier keinen so bedeutenden Mann wie R. Jehuda, der dich befreien könnte; wende dich daher an R. Jehuda den Fürsten, daß er dich befreie. Als er zu ihm kam, sprach dieser zu R. Ami: Geh, untersuche seine Angelegenheit; ist es angebracht, ihn zu befreien, so befreie ihn.
ט עיין ר' אמי בדיניה סבר למישרא ליה עמד ר' שמואל בר נחמני על רגליו ואמר ומה שפחה של בית רבי לא נהגו חכמים קלות ראש בנידויה שלש שנים יהודה חבירינו על אחת כמה וכמה
9 Nachdem R. Ami seine Angelegenheit untersucht hatte, wollte er ihn befreien, da stand R. Šemuél b. Naḥmani auf und sprach: Wenn die Weisen einen von der Magd Rabbis verhängten Bann drei Jahre respektierten, um wieviel mehr [verdient dies] ein von unserem Kollegen Jehuda verhängter.
י א"ר זירא מאי דקמן דאתא האידנא האי סבא בבי מדרשא דהא כמה שני לא אתא ש"מ לא מיבעי למישרא ליה לא שרא ליה נפק כי קא בכי ואזיל
10 Da sprach R. Zera: Wie kommt es, daß dieser Greis gerade jetzt ins Lehrhaus gekommen ist, wo er doch seit vielen Jahren nicht da war! Es ist aber zu ersehen, daß es nicht angebracht ist, ihn zu befreien. Und er befreite ihn nicht. Hierauf ging er weinend fort,
יא אתא זיבורא וטרקיה אאמתיה ושכיב עיילוהו למערתא דחסידי ולא קיבלוהו עיילוהו למערתא דדייני וקיבלוהו
11 und eine Hornisse kam und stach ihn in das Glied, worauf er starb. Alsdann brachte man ihn in die Gruft der Frommen, diese nahm ihn aber nicht auf; da brachte man ihn in die Gruft der Richter, und diese nahm ihn auf. –
יב מ"ט דעבד כר' אילעאי דתניא ר' אילעאי אומר אם רואה אדם שיצרו מתגבר עליו ילך למקום שאין מכירין אותו וילבש שחורים ויתעטף שחורים ויעשה מה שלבו חפץ ואל יחלל שם שמים בפרהסיא
12 Weshalb? – Weil er nach R. Ilea͑j handelte, denn es wird gelehrt: R. Ilea͑j sagte: Sieht jemand, daß der böse Trieb sich seiner bemächtigt, so gehe er nach einem Orte, wo man ihn nicht kennt, kleide sich schwarz, hülle sich schwarz und folge dem Triebe seines Herzens, nur entweihe er den göttlichen Namen nicht öffentlich.
יג שפחה של בית רבי מאי היא דאמתא דבי רבי חזיתיה לההוא גברא דהוה מחי לבנו גדול אמרה ליהוי ההוא גברא בשמתא דקעבר משום (ויקרא יט, יד) ולפני עור לא תתן מכשול דתניא ולפני עור לא תתן מכשול במכה לבנו גדול הכתוב מדבר
13 Welches Bewenden hat es mit der Magd Rabbis? – Einst sah die Magd Rabbis jemand seinen erwachsenen Sohn schlagen, da sprach sie: Dieser Mann soll im Banne sein, weil er übertritt [das Verbot]: <i>du sollst einem Blinden kein Hindernis in den Weg legen.</i> Es wird nämlich gelehrt: <i>Du sollst einem Blinden kein Hindernis in den Weg legen</i>; die Schrift spricht von einem, der seinen erwachsenen Sohn schlägt.
יד ריש לקיש הוה מנטר פרדיסא אתא ההוא גברא וקאכיל תאיני רמא ביה קלא ולא אשגח ביה אמר ליהוי ההוא גברא בשמתא א"ל אדרבה ליהוי ההוא גברא בשמתא אם ממון נתחייבתי לך נידוי מי נתחייבתי לך
14 Reš Laqiš bewachte einen Obstgarten, und als ein Mann herankam und von den Früchten aß, schrie er ihn an; dieser beachtete es aber nicht. Da sprach er: Dieser Mann soll im Banne sein. Dieser entgegnete: Im Gegenteil, du sollst im Banne sein; wenn ich dir auch Geld schuldig bin, habe ich mich des Bannes schuldig gemacht?
טו אתא לבי מדרשא א"ל שלו נידוי שלך אינו נידוי
15 Als er ins Lehrhaus kam, sprachen sie zu ihm: Sein Bannspruch ist giltig, dein Bannspruch ist nicht giltig. –
טז ומאי תקנתיה זיל לגביה דלישרי לך לא ידענא ליה אמרו ליה זיל לגבי נשיאה דלישרי לך דתניא נידוהו ואינו יודע מי נידהו ילך אצל נשיא ויתיר לו נדויו
16 Was ist nun zu machen? – Wende dich an ihn, daß er dich befreie. – Ich kenne ihn nicht. Jene erwiderten: Wende dich an den Fürsten, daß er dich befreie. Es wird nämlich gelehrt: Wenn jemand mit dem Banne belegt wird und nicht weiß, von wem, so wende er sich an den Fürsten, und dieser löse ihm den Bann.
יז אמר רב הונא באושא התקינו אב בית דין שסרח אין מנדין אותו אלא אומר לו (מלכים ב יד, י) הכבד ושב בביתך חזר וסרח מנדין אותו מפני חילול השם
17 R. Inja sagte: In Uša ordnete man an, daß, wenn ein Gerichtspräsident sündigt, man ihn nicht mit dem Banne belege, vielmehr spreche man zu ihm: <i>Habe die Ehre, daheim zu bleiben</i>. Sündigt er weiter, so belege man ihn mit dem Banne, wegen der Entweihung des [göttlichen] Namens.
יח ופליגא דריש לקיש דאמר ריש לקיש תלמיד חכם שסרח אין מנדין אותו בפרהסיא שנאמר (הושע ד, ה) וכשלת היום וכשל גם נביא עמך לילה כסהו כלילה
18 Er streitet somit gegen Reš Laqiš, denn Reš Laqiš sagte: Wenn ein Schriftgelehrter gesündigt hat, so belege man ihn nicht öffentlich mit dem Banne, denn es heißt: <i>du strauchelst am Tage, und auch der Prophet soll mit dir nachts straucheln</i>; bedecke ihn, wie die Nacht.
יט מר זוטרא חסידא כי מיחייב צורבא מרבנן שמתא ברישא משמית נפשיה והדר משמית לדידיה כי הוה עייל באושפיזיה שרי ליה לנפשיה והדר שרי ליה לדידיה
19 Mar Zuṭra der Fromme pflegte, wenn ein Jünger mit dem Banne belegt werden sollte, zuerst sich selbst mit dem Banne zu belegen und nachher jenen, und wenn er in seine Herberge ging, befreite er zuerst sich selbst und nachher jenen.
כ אמר רב גידל אמר רב ת"ח מנדה לעצמו ומיפר לעצמו אמר רב פפא תיתי לי דלא שמיתי צורבא מרבנן מעולם אלא כי קא מיחייב צורבא מרבנן שמתא היכי עביד כי הא דבמערבא מימנו אנגידא דצורבא מרבנן ולא מימנו אשמתא
20 R. Gidel sagte im Namen Rabhs: Ein Schriftgelehrter kann sich selber in den Bann tun und sich selber befreien. R. Papa sagte: Möge es mir zugute kommen, daß ich nie einen Jünger in den Bann getan habe. – Wie machte er es, wenn ein Jünger sich des Bannes schuldig machte? – Wie sie es im Westen machen; sie pflegen da über die Geißelung eines Jüngers abzustimmen, nicht aber pflegen sie über den Bann abzustimmen.
כא מאי שמתא אמר רב שם מיתה ושמואל אמר שממה יהיה ומהניא ביה כי טיחיא בתנורא
21 Was heißt Šamta [Bann]? – Rabh erklärte: Šam mitha [da ist Tod]; Šemuél erklärte: Šama jihje [er wird zur Öde]. Sie dringt in ihn, wie der Fettanstrich in den Backofen.
כב ופליגא דריש לקיש דאמר ריש לקיש כשם שנכנסת במאתים וארבעים ושמונה איברים כך כשהיא יוצאה יוצאה ממאתים וארבעים ושמונה איברים
22 Er streitet somit gegen Reš Laqiš, denn Reš Laqiš sagte: Wie [der Bann] in die zweihundertachtundvierzig Glieder eindringt, ebenso verschwindet er, wenn er aus den zweihundertachtundvierzig Gliedern ausscheidet.
כג כשהיא נכנסת דכתיב (יהושע ו, יז) והיתה העיר חרם חרם בגימטריא מאתים וארבעים ושמונה הוו כשהיא יוצאה דכתיב (חבקוק ג, ב) ברוגז רחם תזכור רחם בגימטריא הכי הוו
23 Wie er eindringt, denn es heißt: <i>die Stadt soll durch den Bann [ḥerem] &amp;c</i>., und [der Zahlenwert des Wortes] <i>ḥerem</i> beträgt zweihundertachtundvierzig. Wenn er ausscheidet, verschwindet er aus diesen, denn es heißt: <i>im Zürnen sei des Erbarmens [raḥem] eingedenk,</i> und [der Zahlenwert des Wortes] <i>raḥem</i> beträgt ebensoviel.
כד אמר רב יוסף שדי שמתא אגנובתא דכלבא ואיהי דידה עבדה דההוא כלבא דהוה אכיל מסאני דרבנן ולא הוו קא ידעי מנו ושמתו ליה איתלי ביה נורא בגנובתיה ואכלתיה
24 R. Joseph sagte: Wenn du den Bann auch dem Hunde auf den Schwanz wirfst, tut er doch das seinige. Einst fraß ein Hund die Schuhe der Jünger, und ohne ihn zu kennen, belegten sie [den Täter] mit dem Banne. Darauf fing der Schwanz [des Hundes] Feuer, und es verbrannte ihn.
כה ההוא אלמא דהוה קא מצער ליה לההוא צורבא מרבנן אתא לקמיה דרב יוסף א"ל זיל שמתיה א"ל מסתפינא מיניה
25 Einst war ein Gewalttätiger, der einen Jünger quälte. Da wandte er sich an R. Joseph, und dieser sprach zu ihm: Geh und belege ihn mit dem Banne. Jener erwiderte: Ich fürchte mich vor ihm.
כו אמר ליה שקילי פתיחא עליה כל שכן דמסתפינא מיניה א"ל שקליה אחתיה בכדא
26 Dieser entgegnete: So schreibe über ihn einen Bannspruch. – Dies fürchte ich erst recht. Dieser sprach: Lege ihn in einen Krug,